Wie schon erwähnt, können verschiedene Störfaktoren im Alltag und Leistungssport die Ursache für die Entstehung muskulärer Dysbalancen sein. Häufig bleibt die Abschwächung und Verkürzung der Muskulatur als langsam fortschreitender Prozess dem einzelnen weitgehend verborgen. Nicht selten werden die Störungen des muskulären Gleichgewichts erst beim Sportarzt diagnostiziert bzw. bei einer Befunderhebung von einem Krankengymnasten erkannt. Schmerzen und verringerte Leistungsfähigkeit sind leider oft der späte Anlass, den Sportmediziner bzw. Krankengymnasten aufzusuchen.

Dies gilt sowohl für den Schüler, als auch für den ambitionierten Sportler. Es bedarf wohl keiner näheren Erläuterung, dass es günstiger wäre, die Entstehung muskulärer Dysbalancen schon im Ansatz zu erkennen, denn auch hier gilt der Grundsatz »Vorbeugen ist wichtiger als Heilen«. Wir möchten Ihnen einige Tests vorstellen, die zu Hause und in der Schule durchführbar sind.

Bei jedem Test besteht die Problematik, möglichst gleichbleibende Bedingungen zu schaffen und durch entsprechende Kontrolle miteinander vergleichbare Ergebnisse zu erreichen. Um den Test objektiv beurteilen zu können, müssen die verschiedenen Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen können, entsprechend berücksichtigt werden.

 Faktoren mit Einfluss auf das Testergebnis
- Körperposition,
- Bewegungsausführung,
- Tageszeit,
- Temperatur,
- Ermüdung,
- Motivation.

Körperposition
Es ist darauf zu achten, dass die vorgeschriebene Körperposition genau der Beschreibung entspricht. Jede Veränderung führt zu entsprechenden Abweichungen und lässt eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse bezogen auf das Individuum nicht zu.

Bewegungsausführung
Die Bewegung muss räumlich, zeitlich, dynamisch bzw. statisch der motorischen Aufgabe entsprechen. Jede Abweichung verfälscht das Ergebnis und lässt keine genauen Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit der Muskulatur zu.

Tageszeit
Je nach Tageszeit wird das Ergebnis eines Tests sehr unterschiedlich ausfallen. Verschiedene Untersuchungen haben eindeutig belegt, dass beispielsweise die Beweglichkeit mittags wesentlich ausgeprägter ist als in den frühen Morgenstunden.

Bei der Festlegung der Bewertungsrichtlinien haben wir uns für eine Einteilung in drei Stufen entschieden, die folgendermaßen gegliedert ist:

1. Normale Kraft bzw. normale Dehnbarkeit
Sie entspricht einem anzustrebenden Funktionsstand des Muskels in bezug auf Kraft und Dehnbarkeit und gilt für den Schüler und Hobbysportler als optimal. Im Leistungssport muss die Beurteilung von der jeweiligen Sportart abhängig gemacht werden. Was für einen Langstreckenläufer als optimale Beweglichkeit gilt, ist für einen Geräteturner mit Sicherheit nur Durchschnitt. Dennoch kann bei Erreichen dieser Stufe aller zu testenden Muskeln fast jede Sportart ohne größere gesundheitliche Bedenken durchgeführt werden.

2. Leichtes Kraftdefizit bzw. leichte Verkürzung
Obwohl leichte Kraftdefizite und leichte Verkürzungen durch entsprechendes Training innerhalb kürzerer Zeit zu beseitigen sind, schränken sie die Sporttauglichkeit schon ein und sind häufig Ursache für entstehende Verletzungen. Wenn dann noch eine leichte Verkürzung des Agonisten mit leichtem Kraftdefizit des Antagonisten einhergeht, ist der Beginn muskulärer Dysbalancen vorgezeichnet.

3. Erhebliches Kraftdefizit bzw. erhebliche Verkürzung
Hier sind sowohl eine ausreichende Gelenksicherung als auch große Bewegungsausschläge nicht mehr gewährleistet. Wenn bei einem Großteil der zu testenden Muskulatur erhebliche Kraftdefizite bzw. erhebliche Verkürzungen nachgewiesen werden, muss man wohl nur noch von einer bedingten Sporttauglichkeit ausgehen. Dem Schüler kann nur noch zu kleinräumigen und sorgsam geführten Bewegungen geraten werden, wie sie die Schon- und Wirbelsäulengymnastik bieten. Parallel dazu kann ein zusätzliches Übungsprogramm mit gut abgestimmten Stretching-, Gymnastik- und Kraftübungen absolviert werden. Bei Leistungssport ausübenden Schülern dagegen muss mit entsprechenden Therapiemaßnahmen möglichst schnell eine Besserung eingeleitet werden, allein schon wegen der erhöhten Gelenkbelastung. Nur die enge Zusammenarbeit zwischen Trainer und Krankengymnasten lässt eine geeignete Abstimmung von Trainingsplan und Therapiemaßnahmen zu und kann nur dann zu einer relativ schnellen Beseitigung muskulärer Dysbalancen führen.